Wrack Baron Gautsch

Der Krieg traf die österreichische Handelsflotte überraschend, aber nicht unvorbereitet.

Die Schiffe, die sonst fröhliche Sommergäste entlang der adriatischen Küste in die aufstrebenden Seebäder transportierten , die Luxusdampfer, die die Schnellverbindungen zwischen Triest und den großen Häfen des Mittelmeeres aufrecht erhielten, die Liniendampfer, die den regelmäßigen Verkehr von Übersee besorgten und arm und reich gleichermaßen sicher, wenn auch mit durchaus unterschiedlicher Bequemlichkeit, ans Ziel brachten: Sie alle erhielten nahezu über Nacht eine neue Aufgabe, und Handelsschiffsoffiziere und Lotsen traten in den Dienst der Kriegsmarine ein.

Um fünf Uhr nachmittags bei glatter See und Sonnenschein, sank das dem österr. Lloyd zugehörige Schiff 'Baron Gautsch' auf der Rückfahrt von Cattaro nach Triest in der Nähe von Rovinj. Von den mehr als 500 eingeschifften Fahrgästen ertranken etwa 330, meist Frauen und Kinder.

Ungefähr um 15.45 Uhr nachmittags hatte es plötzlich einen heftigen Krach gegeben. Das Schiff war durch ein grobes Versehen des zweiten Offiziers vom Kurs abgewichen und in ein Minenfeld der eigenen Kriegsmarine geraten. 

Alles lief zu den Rettungsbooten, von denen mehrere nicht herabgelassen werden konnten, da die Taue meist verwickelt, und die schon überfüllten Boote schwer zu heben waren. Deshalb sprangen viele ins Meer, wo sie zum Teil von Torpedobooten gerettet wurden. Das Schiff legte sich rasch auf die linke Seite und sank nach innerhalb von sieben Minuten.

Nach Aussage der Passagiere hatte die Schiffsbesatzung wenig Interesse an der Rettung der Fahrgäste, und sorgte zunächst für ihre eigene Rettung. Das erste Rettungsboot soll größtenteils von der Schiffsbesatzung eingenommen worden sein.

Die Opfer

Von den über 500 Fahrgästen und 66 Mann Besatzung wurden 190 Personen gerettet, 68 tot geborgen, die übrigen ertranken, ohne dass die Leichen gefunden werden konnten.

Die Toten der 'Baron Gautsch' ruhen heute auf dem Marinefriedhof im ehemaligen Hauptkriegshafen Pula, neben den toten Matrosen, Unteroffizieren und Offizieren der Kriegsmarine.

Man sollte sich während eines Urlaubes an der Adria ihrer entsinnen, ehe ihr Schicksal für immer von den Stürmen der Zeit verweht ist.

Wrack Baron Gautsch | Tauchzentrum Scuba Valdaliso | Rovinj | Istrien

Das Wrack heute

Nun ist die 'Baron Gautsch' eines der schönsten Wracks in der Adria. Es liegt ca. 35 Min. von unserer Tauchbasis entfernt. Unser kroatischer Kolege Sinisa hat es vor einigen Jahren entdeckt.

Das Wrack ist von der kroatischen Regierung für Taucher gesperrt. Wir sind eine der wenigen Tauchbasen, die eine Genehmigung zum Betauchen dieses Kulturdenkmals besitzen. Ein Tauchgang zur 'Baron Gautsch' zählt sicher zu einem der schönsten Erlebnisse unserer Zeit.

Aber nicht nur die 'Baron Gautsch' lädt zum Tauchen ein. Wir bieten noch viele andere Wracks, die ein Taucherherz höher schlagen lassen.

Das Geheimnis des Barons Gautsch

Es ist schwer, eine größere Tragödie im Mittelmeerraum zu finden.

Es ist noch schwieriger, eine mysteriösere und kontroversere Geschichte über ein verlorenes und wiederentdecktes Wrack zu finden.

Es ist unmöglich, ein besseres Symbol für den Untergang eines großen Reiches zu finden.

Dies ist die Geschichte der österreichisch-ungarischen Titanic, dem beneidenswerten Ozeandampfer der kaiserlichen Marine.

Eine Geschichte, die mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs zusammenfiel und immer noch nicht zu Ende ist.

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